Was bleibt, wird Bild - ein später Aufbruch

Skizze Regensberg

"Ich wollte es einfach versuchen"

Peter, was hat dich mit über 80 Jahren dazu bewogen, dich bei der Künstlervereinigung Zürich zu bewerben?

Kunst war immer Teil meines Lebens – zunächst als Sammler, später auch als Zeichner. Ernsthaft begonnen habe ich 1989 auf einer Reise durch den Jemen, wo ich meine Eindrücke skizzierte. Seither halte ich Erlebnisse regelmässig zeichnerisch fest.

 

Zur Malerei kam ich eher zufällig während der Coronazeit. In unserer Wohnung standen noch Materialien der Vorbesitzerin, und ich begann zu experimentieren. Nach ersten Arbeiten in Acryl wechselte ich rasch zur Ölmalerei. Nachdem einige Ausstellungen folgten, war der Schritt zur Bewerbung in die Künstlervereinigung Zürich naheliegend.

 

Was erwartest du von der Künstlervereinigung?

Ich freue mich auf den Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern – auf neue Impulse und Anregungen. Und natürlich darauf, meine Arbeiten vermehrt zeigen zu können.

Kreuzung New York

"Wenn ich anderen Menschen eine Freude mit meinen Bildern machen kann, ist das für mich das Schönste."

Du bist im Laufe deines Lebens vielen Künstlern begegnet. Wirken diese Begegnungen bis heute nach?

Ja, durchaus. Begegnungen – etwa mit Hans Erni, den ich im Luzerner Filmclub kennenlernte und mit dem Juramaler Roger Tissot, haben mich geprägt. Ebenfalls prägend waren Begegnungen mit Künstlern im Nahen Osten, wo ich einige Jahre als Physiker und Metallurge tätig war. Auf dem Weg von meinen Skizzen zur Malerei waren Kurse bei Doris Walser und Rudolf Hauser wegweisend. Sie haben mir die handwerklichen Grundlagen vermittelt. Dennoch, der eigentliche Schritt zur Malerei kam viel später.

 

Spuren eines langen Weges

 

Du sagst, du «skizzierst» mit Öl. Was bedeutet das konkret?

Ich arbeite mit dem Spachtel und nicht mit dem Pinsel. Dabei gehe ich zügig vor – ähnlich wie beim Skizzieren. Meine Bilder, die ich nach eigenen Vorlagen entwickle, entstehen meist in ein paar Stunden.

 

Und wie gehst du mit der Technik um?

Ich arbeite nass in nass, meist auf der rauen Seite von Hartfaserplatten und mit den Grundfarben. Diese mische ich direkt auf dem Bild. Das verlangt eine klare Vorstellung – viel lässt sich bei dieser Arbeitsweise nicht mehr ändern.

Moment, in dem das Bild trägt.

Beim Betrachten deiner Bilder fällt die starke Tiefenwirkung auf. Ist sie zentral für deine Arbeit?

Für mich beginnt ein Bild mit der Form. Strukturen und räumliche Zusammenhänge stehen am Anfang, die Farbe folgt, bewusst eingesetzt. Dabei sind Tiefe und Perspektive für mich Voraussetzung. Nur wenn diese stimmen, funktioniert das Bild. 

 

Nach der Fertigstellung lasse ich das Bild einige Tage stehen und betrachte es immer wieder. Wenn es mich auch nach einer Woche noch überzeugt, gilt es für mich als abgeschlossen.

Auf der Suche nach neuen Blickwinkeln.

Woran arbeitest du derzeit?

Ich bin auf der Suche nach neuen Blickwinkeln. Nachdem ich oft Landschaften und urbane Szenen gemalt habe, interessiert mich im Moment das Arbeiten draussen – in den Bergen oder im städtischen Raum. 

Impression HB Zürich

Ausstellungen Peter Schürmann

Peter Schürmann (*1938) stellte unter anderem Aktzeichnungen in Winterthur («Dal Vero») aus, Ölbilder im «Stägehuus» in Regensberg sowie in der Schüür in Bülach aus. Zudem gab er einen Vortrag mit Workshop zum Thema «Von der Skizze zum Ölbild» im Philosophe in Dielsdorf. Mehr erfahren.