Seit November ist der Fotograf und Buchautor Sam V. Furrer Mitglied der KVZ. Er freut sich auf den Austausch mit anderen Kunstschaffenden. Auf ehrliches Feedback. Auf neue Impulse. Er möchte sich aktiv einbringen und seine Arbeiten einem breiteren Publikum zugänglich machen.
"Pitahaya, die Drachenfrucht, ist ausser sich."
Vom Handwerk zur eigenen Handschrift
Schon früh zeichnete oder fotografierte er alles, was ihn faszinierte. Während der RS freundete er sich mit einem Pressefotografen an und begleitete ihn zu Aufträgen. Dort lernte er das Handwerk von Grund auf. Zunächst fotografierte er im privaten Umfeld. Dann kam der erste grosse Auftrag: eine sechswöchige Reportage in der Mongolei. Für ihn das Gesellenstück. Eine Bewährungsprobe.
Parallel entwarf er Teppiche und gestaltete Räume sowie Flyer und Einladungen. Gestaltung war nie Nebensache. Sie war Konstante.
Beruflich schlug er zunächst eine andere Richtung ein. Nach Studien in Betriebswirtschaft und Psychologie an der Universität St. Gallen arbeitete er mehrere Jahre in der Strategieberatung und im Executive Management.
2014 entschied er sich bewusst für die Kunst. Für ihn kein Sprung ins Ungewisse. Sondern ein bewusster Schritt in die eigene Richtung.
"Sukkulenten-Zauberblume der Wüste", im Hintergrund der Rand der Wüste Gobi in der Mongolei (Fotoreise 1994).
Digitalisierung als kreatives Experimentierfeld
Mit der digitalen Fotografie eröffnete sich für Sam eine neue Welt. Bildbearbeitung wurde zum Experimentierraum, in dem er immer weiter forschte, bis er zur Bildverwandlung und Bilderfindung kam. Er vertiefte sich in die Technik, besuchte Kurse und lernte aus persönlichen Gesprächen mit Profis. Interessiert neue Wege zu gehen, testete Sam Grenzen und verliess die Naturfotografie bewusst in Richtung experimentelle Fotografie.
Heute erweitert KI seinen Kreativspielraum. Doch sie ersetzt nichts. Sie erleichtert seine Arbeit und ergänzt manchmal Details. Am Anfang steht seine Imagination. Die Kamera ist sein Pinsel, KI die erweiterte Farbpalette.
Seine «Zauberblumen» und «Zauberlandschaften» entstehen aus digitalen Bildfragmenten. Er zerlegt die Ausschnitte und fügt sie zu seinen Kompositionen zusammen. Wenn Betrachtende fragen: «Wo wachsen diese Blumen?», freut er sich. Dann, wenn sie beim ersten Schauen staunen und dann erkennen: Dieses Bild ist Sams real gewordene Fantasie.
Spiel mit der Wahrnehmung
Führt Sam sein Publikum bewusst aufs Glatteis? Er schmunzelt. Wenn Menschen erst unsicher werden und dann genauer hinschauen, ist das gewollt. Seine Bilder wirken real – und entziehen sich doch der Eindeutigkeit. Wie in seinem Buch «Zauberblumen» gibt er Einblick in den Entstehungsprozess. Doch zuvor soll das Rätsel wirken.
"Gerangel der Mandarinenten" aus der Serie "Tanz der Federn".
Der Perfektionist, der an Grenzen geht
Von der Idee bis zum fertigen Bild ist es oft ein langer Weg. Ein Beispiel sind seine transluzenten Aufnahmen, etwa jene der Zitronen. Am Anfang entsteht das Bild in seiner Vorstellung. Meist geht es weiter mit Skizzen und dann beginnt das Tüfteln: Tage, manchmal länger. Versuchsreihen. Korrekturen. Neuansätze. Solange bis ihn das Ergebnis überzeugt.
In seiner Arbeit reizt er die Technik bis an ihre Grenzen aus. Doch entscheidend bleiben Komposition, Proportion, der goldene Schnitt. Perfektion ist für ihn kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für seine Werke.
Sprache als Teil des Werkes
Wer Sams Bildtitel liest, merkt: Sprache ist für ihn Gestaltung. Jedes Wort ist sorgfältig gewählt. Titel sind keine Beigabe, sondern Teil des Werkes.
Eine aufgefächerte Drachenfrucht trägt den Titel «Pitahaya, die Drachenfrucht, ist ausser sich». Die Frucht wird zur Figur mit eigenen Empfindungen. Welche genau, bleibt der Fantasie der Betrachtenden überlassen.
Dasselbe Prinzip prägt seine Bücher. Bild und Text gehören zusammen. Sehen und Lesen greifen ineinander. Wenn ein Werk ein leises Schmunzeln auslöst, hat Sam sein Ziel erreicht: Denn für ihn entspringen Kunst und Humor derselben Quelle: der Kreativität.
Wer mehr über Sam V. Furrer erfahren möchte, findet auf seiner Website ein lesenswertes Künstlerporträt in Form eines Gesprächs.
Beispiele aus der Serie "KÜNSTLICHE PHANTASIE" - zu sehen in der Ausstellung Einblicke & Einsichten.
Nächste Ausstellung: EINBLICKE & EINSICHTEN
Vom 30. April bis 10. Mai zeigt Sam gemeinsam mit Patrick Nyfeler die Ausstellung «EINBLICKE & EINSICHTEN» in der Galerie Trittligasse in Zürich. Darin zeigt er mehrere Werkreihen, unter anderem KÜNSTLICHE PHANTASIE, die abstrakte Bilder umfasst, die mit KI als quasi «Co-Autor» entstanden sind. Aus Federn vom Eichelhäher, Mandarinenten-Erpel und Rotmilan hat Sam eine Bildwelt zwischen Struktur und Abstraktion geschaffen. Vergrösserte Miniaturen öffnen Räume, die es so nie gegeben hat – und die doch vertraut wirken.




